Jedes Jahr am dritten Freitag im September ist internationaler Parking Day. Mit diesem Aktionstag, der als Trend aus den USA kommt, soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass der öffentliche Straßenraum für alle da ist und nicht automatisch Parkraum für private PKW-Besitzer darstellt.

Fälschlicherweise glauben manche Autobesitzer, sich über die KfZ-Steuer  diesen Raum zu „erkaufen“. Dem ist natürlich nicht so, es sei denn es gibt bezahltes Anwohnerparken aber das hat nichts mit der Steuer zu tun. Per se gibt es erst einmal keinen Anspruch auf „Parkplätze“ im öffentlichen Raum. Würden ehrlicherweise alle Folgekosten einbezogen wie z.B. gesundheitliche Schäden, wäre die KfZ-Steuer wohl für viele nicht mehr bezahlbar aber das ist ein anderes Thema.

Der Straßenraum, der übrigens auch die Bürgersteige einbezieht, steht somit allen zur Verfügung. Ein Nach- und Umdenken ist also gerade in den dicht bewohnten Vierteln wichtig. Darauf machte die Initiative KURS FAHRRADSTADT beim pragmatisch auf Samstag gelegten „After Parking Day“ aufmerksam. So wurde in der Lutterothstraße die Fläche für alternative Nutzungen frei gehalten, auf der sonst 3-4 Autos stehen.

Auch wenn das Wetter mau war, kamen Menschen zum gemeinsamen Essen und Trinken, selbst gebackener Kuchen wurde zum Kaffee aufgetischt, ein großer Topf Gemüsesuppe wärmte wieder auf und schmeckte in geselliger Runde trotz Regens. Kinder konnten spielen, (Lasten-)Räder bequem abgestellt werden, der ungewohnte Blick weitete sich bis zur Müggenkampstraße.

Wenn man sich als Mensch in den Straßenraum setzt, merkt man erst, wie groß der Flächenverbrauch für wenige PKW ist, die wenigen Menschen gehören und statistisch 23 Stunden am Tag herumstehen. Der Hinweis einer Passantin „O ausgerechnet hier, wo der Parkdruck hoch ist?“ verwunderte als Reaktion nicht. Die Antwort lautet: Ja genau hier, denn hier ist der Leidensdruck der vielen anderen, die umweltfreundlich auf einen eigenen PKW verzichten, Kinder haben oder Parterre wohnen gleichfalls sehr hoch. Vermutlich gefällt es den Autobesitzern genauso wenig wie trist und voller Blechlawinen unsere öffentlichen Räume inklusive zugeparkter Bürgersteige sind wenn sie ausgestiegen sind. Es braucht also alternative Parkkonzepte in unseren Wohnvierteln, damit diese schöner und lebenswerter werden. Und ausreichend Anreize, auf das eigene Auto zugunsten unserer Lebensqualität verzichten zu können. Wie das geht, machen viele andere Metropolen vor, u.a. Wien, Oslo, Stockholm…

Kaum waren die Schilder abgebaut, sah es aus wie immer: Mehr Informationen zur Rückeroberung der Straße,gibt es beim ökologischen Verkehrsclub  Deutschland VCD: https://www.strasse-zurueckerobern.de

oder dem adfc, allgemeiner Fahrradclub Deutschland: https://www.adfc.de/artikel/parking-day-aktionen-gegen-parkwahn-in-staedten/

KURS FAHRRADSTADT setzt sich für eine echte Fahrradstadt ein, die Fuß- und Radverkehr einschließt und das Konzept lebenswerter Städte zugrunde legt. Wir Menschen sind zuvorderst soziale Wesen, die in digitalen Zeiten wohl erst wieder lernen müssen, in der realen Welt ins Miteinander zu kommen und unsere Stadt zu gestalten. Dass dies gelingt, zeigt u.a. das Stephanusgarten-Projekt wo aus Nachbarn Freunde werden. Mehr Infos sowie die Online-Petition hierzu kann man hier aufrufen: https://kursfahrradstadt.wordpress.com

Und was Wien bewegt, kann man in diesem kurzen Video sehen:

Es hat also mit Jedem von uns zu tun, wie unsere Stadt aussieht. Oder um mit Mahatma Gandhi zu sprechen: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht in dieser Welt.“